Dezentrale Kläranlagen zur Abwasserbehandlung

Unsere dezentralen Systeme zur Sanitärversorgung erlangen dort Bedeutung, wo es keine zentralen Abwassersysteme gibt, was insbesondere auf viele der schnell wachsenden Metropolen in Afrika und Asien zutrifft. Mit dezentralen Anlagen erhalten die Menschen Zugang zu einer sanitären Grundversorgung, einem Menschenrecht. Gleichzeitig wird die Kontaminierung der Umwelt reduziert. Wertvolle Ressourcen wie Wasser werden recycelt und bleiben dadurch dort erhalten, wo sie bereits genutzt wurden. Durch Recycling werden zudem wiederverwendbare Nebenprodukte für die Landwirtschaft und die Energiegewinnung geschaffen.

Nachhaltig sind dezentrale Systeme, wenn sie wenig kosten, wenig oder gar kein Wasser oder Strom für den Betrieb benötigen, lokal verfügbare Materialien nutzen und auf biologische Prozesse setzen. Sie müssen einfach zu bedienen und zu warten sein. Nachhaltigkeit erfordert außerdem auch ein finanzielles Engagement von lokalen Kommunen, in deren Besitz die Anlagen übergehen sollen. Dafür benötigt es auch die politische Unterstützung von lokalen Regierungen.

Dezentrale Anlagen werden von BORDA und unseren Partnern weltweit designed, umgesetzt und evaluiert.

Überall dort wo es keine zentralen Abwassersysteme gibt, besteht ein enormer Bedarf an dezentralen Systemen zur Sanitärversorgung

Karte zur stadtweiten Planung der Sanitärversorgung in Daressalam, Tansania

Karte zur stadtweiten Planung der Sanitärversorgung in Daressalam, Tansania

Fäkalschlamm-Management (FSM):
Sanitärversorgung entlang der Wertschöpfungskette

60 Prozent der Weltbevölkerung haben keinen Zugang zu einer hygienischen und sicheren Sanitärversorgung. Viele müssen sich mit einfachsten Standards begnügen, z.B. einem Plumpsklo, das oft als öffentliche Einrichtung auch von anderen genutzt wird. Hunderte Millionen haben noch nicht einmal das. Sie müssen ihre Notdurft im Freien verrichten. Besonders in informellen Siedlungen der großen Metropolen werden Fäkalien dann oft in Gewässer oder auf Felder entsorgt. Das bedeutet eine große und permanente Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch die Verbreitung von ansteckenden und lebensbedrohlichen Krankheiten.

Fäkalschlamm-Management ist ein interdisziplinärer Ansatz, um diese Probleme zu lösen. Er umfasst technische Aspekte für die Sammlung, den Abtransport sowie die Behandlung und Wiederverwertung des Fäkalschlamms aus den häuslichen Klärgruben. Dies kann speziell auf die jeweilige lokale Situation zugeschnitten werden. Gleichzeitig enthält dieses Konzept als einen grundlegenden Bestandteil auch ein Geschäftsmodell, mit dem dieser ganze FSM-Prozess nachhaltig finanziert werden kann.

Im Bereich von FSM haben BORDA und unsere indische Partnerorganisation CDD Society Pionierarbeit geleistet. Mit unserer mehr als zehnjährigen Erfahrung aus Projekten in vielen Ländern gehören wir weltweit zu den führenden FSM-Experten.

Unser Konzept umfasst den gesamten Wertstoffkreislauf und kann so für ganze Städte oder auch für die besonderen Bedürfnisse von einzelnen Kommunen angewendet werden. Diese Art von Fäkalschlamm-Management hat Modellcharakter und kann jederzeit auch an anderen Orten umgesetzt werden.

Ein Rundum-Service: FSM-Dienstleistungen sind so ausgelegt, dass die städtischen Partner damit ihre Ziele zur umfassenden Sanitärversorgung erreichen können

Integration der gesamten FSM-Wertschöpfungskette in die Stadtplanung – so werden nachhaltige Einkünfte geschaffen

Sammlung

Speicherung

Abtransport

Behandlung

Wiederverwertung

mit Unterstützung der Bill & Melinda Gates Stiftung

Devanahalli ist eine 30.000 Einwohner-Stadt, die 40 km entfernt am nordöstlichen Stadtrand der 10-Millionen Metropole Bangalore liegt. Dort hat die Stadtverwaltung gemeinsam mit BORDA und unserem Partner CDD Society die erste Fäkalschlamm-Behandlungsanlage in Indien entworfen und gebaut.

In Devanahalli wird es auch in den nächsten zehn Jahren kein Kanalsystem für Wasser und Abwasser geben. Gleichzeitig wächst die Kleinstadt sehr schnell.

Aufgrund dieser schwierigen Bedingungen war hier ein besonders großer Bedarf, um folgende Probleme zu lösen:

  • Keinerlei Behandlungsmöglichkeit von Fäkalschlamm aus Klärgruben und Tanks, der zehnmal toxischer ist als in Abwasserkanälen
  • Wegen Mangel an häuslichen Toiletten war die Verrichtung der Notdurft im Freien weit verbreitet
  • Fäkalschlamm aus Klärgruben wurde ungeklärt auf Felder und in Gewässer entsorgt
  • Unbehandelter Fäkalschlamm wurde in offene Kanäle und Gräben abgeleitet

Solche Verhältnisse sind typisch für zahllose Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt. Allein in Indien sterben jährlich 500.000 Menschen an Krankheiten, die durch mit Fäkalien verunreinigtem Wasser entstanden sind.

Devanahalli ist zu einem Testgelände für Innovationen in der Sanitärversorgung geworden. FSM kann allein in Indien in 7.000 kleineren Städten eingeführt werden, in denen bis 2030 etwa 300 Millionen Menschen leben werden.

Die Fäkalschlamm-Behandlungsanlage wurde 2016 in Devanahalli gebaut und gleichzeitig ein umfassendes FSM-System für die ganze Stadt eingeführt. Das war eine Erfolgsstory:

  • 2017 erhielt das Projekt eine hohe Auszeichnung der Föderation der indischen Handelskammern: Best Innovation in Sanitation Award
  • Das Modell wurde für zahlreiche andere indische Städte in Auftrag gegeben, ebenso für Gemeinden in Nepal, Bangladesh und Bhutan

Ein innovativer Ansatz für stadtweite Sanitärversorgung – ein Modellprojekt aus Indien macht international Schule

Fäkalschlamm-Behandlungsanlage in Devanahalli: Attraktives Design und geruchsfrei

Video: Am Stadtrand von Bangalore - Indiens erste Fäkalschlammbehandlungsanlage (Englisch)

Zweitverwertung für Fäkalschlamm - wiederverwertbare Nebenprodukte

Fäkalschlamm → Dünger
biogas → Energie zum Kochen
Sickerwasser → Kompostierung von Abfall
Behandeltes Abwasser → Bewässerung von Plantagen

DEWATS: biologische, dezentrale Abwasserbehandlung

In vielen Ländern der Welt gibt es entweder gar keine Systeme zur Abwasserbehandlung oder sie sind ungeeignet. Konventionelle Abwasserkanäle und Kläranlagen sind meist aufwendig zu bauen. In den extrem dicht besiedelten und schnell wachsenden Metropolen des Globalen Südens ist der Bau von konventionellen Abwassersystem flächendeckend nicht mehr möglich und zudem aufgrund der immensen Kosten finanziell nicht realisierbar. Die Folgen: weltweit wird mehr als 80 Prozent des Abwassers unbehandelt in die Umwelt geleitet.

DEWATS steht für Decentralised Wastewater Treatments System (Dezentrales Abwasserbehandlungs-System), eine Technologie, die von BORDA gemeinsam mit unserem Partnernetzwerk für den Einsatz im Globalen Süden weiterentwickelt wurde.

DEWATS ermöglicht sowohl in dicht besiedelten städtischen Gebieten als auch in ländlichen Gegenden eine adäquate Abwasserbehandlung. DEWATS-Anlagen sind kostengünstig zu bauen und zu unterhalten, sie sind leicht zu warten, und benötigen keine zusätzliche städtische Infrastruktur. Deshalb sind sie besonders geeignet für unterversorgte Stadtteile und für informelle Siedlungen an den Stadträndern, aber auch für Schulen, Krankenhäuser oder kleine Unternehmen, die eine hohe organische Belastung in ihrem Abwasser haben.

Die DEWATS Technologie ist von BORDA und unseren Partnern über viele Jahre in Afrika und Asien erfolgreich erprobt und eingesetzt worden. Inzwischen gehört weltweit zum Mainstream bei dezentralen Abwassersystemen, ist in in zahlreiche Regierungsprogramme aufgenommen und 2019 im Weltwasserbericht der Vereinten Nationen als vorbildlich präsentiert worden.

DEWATS reduziert die organische Belastung von Abwasser, eine der Hauptursachen für Krankheiten und Umweltverschmutzung

Anaerober Tauchwand-Reaktor - das Herzstück einer DEWATS-Anlage
(zum Vergrößern klicken)

Biogas: erneuerbare Energie aus der Abwasserbehandlung

Biogas kann auch häuslichem Abwasser, Kompost, Fäkalien, industriellem Abwasser mit organischen Anteilen sowie Abfallprodukten aus der Viehhaltung und von Schlachthöfen produziert werden. Eine Biogas-Anlage wird oft zusammen mit einer DEWATS-Anlage gebaut, um Methangas erzeugen, das zum Kochen oder für Beleuchtung genutzt werden kann. Biogas als erneuerbare Energiequelle kann die Nutzung von Feuerholz oder anderen Energiequellen ersetzen und hilft damit, die Umwelt zu schützen und die Folgen des Klimawandels zu lindern.

Besonders für arme Familien und für Schulküchen kann die Nutzung von Biogas dazu beitragen, erhebliche Kosten für Energieverbrauch einzusparen. Mit Biogas können auch kleinere Gewerbe betrieben werden wie Cafés oder kleinere Restaurants.

BORDA hat seit den 1970er Jahren Pionierarbeit bei der Umsetzung und Verbreitung von Biogas-Anlagen geleistet.

Eine Biogas-Anlage verbindet Abwasserbehandlung mit Energieerzeugung

DEWATS Biogas-Anlage (zum Vergrößern klicken)

DESWAM: dezentrales Abfallmanagement

In vielen schnell wachsenden Städten sind die ärmeren Stadtteile mit Infrastruktur unterversorgt und oft auch schwer zu erreichen. Deswegen gibt es dort meist keine städtische oder private Müllentsorgung. Die Abfälle türmen sich zwischen den Häusern, verstopfen offene Kanäle und sind so eine Brutstätte für Seuchen. Dezentrales Abfallmanagement (DESWAM) bietet hier konkrete und effektive Lösungen.

Bei DESWAM geht es immer darum, die lokale Verwaltung und den Privatsektor an einen Tisch zu bekommen, um nachhaltige Strukturen zur Sammlung und Entsorgung von Müll in Wohngebieten aufzubauen.

BORDA und unser Partnernetzwerk haben gemeinsam bedarfsorientierte Module entwickelt, die an lokale Umweltgegebenheiten und den Nutzerbedarf angepasst werden können. Mit unterschiedlichen Modellen der Müllentsorgung und der Wiederverwertung können so nachhaltige Strukturen aufgebaut werden, mit denen Müll aus der Umwelt entfernt, wertvolle Ressourcen wiederverwertet und Einkommen für lokale Communities generiert wird. So können selbst unter schwierigen Bedingungen Entsorgungs- und Recyclingsysteme geschaffen werden, die dauerhaft funktionieren. Dadurch entstehen neue Jobs und das stärkt die lokale Verwaltung.

In Indonesien ist unser Müll-Verwertungskonzept KIPRAH VER mit dem Gold-Standard ausgezeichnet worden und ist inzwischen Partner der deutschen Nichtregierungsorganisation atmosfair. So können jährlich 5.000 Tonnen CO² kompensiert werden.

Gemeinschaftsaufgabe für Stadtteilbewohner, Verwaltungen und Privatsektor: Müllreduzierung und Kreislaufwirtschaft durch Wiederverwertung von Materialien und Nährstoffen

Großer Bedarf: nachhaltiges Sammeln und Wiederverwerten von Müll

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